Zecken

Passend zu den wärmeren Frühlingstemperaturen wird auch die Zeckensaison eingeläutet. Und die Zecken sind auf dem Vormarsch – lästig und durchaus nicht ganz ungefährlich, da sie immer mehr Krankheiten übertragen können.

Das sollte man nicht unterschätzen zumal ihre Zahl zunimmt und sich dazu immer mehr Arten verbreiten, die früher nur aus dem Mittelmeerraum bekannt waren. Gründe dafür sind im Klimawandel zu sehen, aber auch in der Veränderung der Landschaft, dem Einsatz von Pestiziden und in der Zunahme von Wildtieren. Gehen wir näher auf die Zecke ein:

Zecken (Ixodoidae) gehören zu den Milben, eine Unterklasse der Spinnentiere.  Weltweit sind ca. 850 Zeckenarten bekannt, 17 davon in Deutschland.

Sie sind nicht nur äußerst lästige Parasiten, sondern durchaus auch gefährliche Krankheitsüberträger, die im Frühsommer am Waldrand in Gräsern, Sträuchern und Lichtungen im Laub lauern. Sie können bis zu einer Höhe von 1,5 Metern klettern. Kommt ein Wirt vorbei, lässt sie sich auf ihn fallen und klammert sich fest.

Es sind Blutsauer, die unsere Hund, aber auch uns Menschen befallen. In Europa ist vorwiegend der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) anzutreffen.

Die Zecken treten in drei Entwicklungsstadien auf: als Larve, Nymphe und als erwachsenes Tier. Für ihr Wachstum muss sie jedesmal eine Blutmahlzeit aufnehmen.

Die winzigen, hellen Larven sind eher weniger anzutreffen, da es ihnen nicht gelingt, die Haut bei größeren Tieren zu durchdringen.

Nymphen sind schwarz und etwa so groß wie ein Stecknadelkopf, ausgewachsene Tiere noch ein wenig größer. Sie können vollgesaugt das Volumen einer Erbse erreichen.

Die ausgewachsenen Tiere sind jedermann bekannt. Das vollgesogene Weibchen davon verlässt den Wirt, legt Tausende von Eiern und stirbt.

Zecken sind wahre Hungerkünstler. Bevor sie einen Wirt findet, kann sie sehr lange Zeit ohne Nahrungsaufnahme überleben. So entwickelt sich der Gemeine Holzbock über einen Zeitraum von zwei bis sechs Jahren, wobei er bis zu 99% seiner Lebenszeit ohne Wirt lebt! Und alle Stadien sind in der Lage, zu überwintern.

Überwinterung

Ab etwa Mitte November ist es in der Regel zu kalt für Zecken, um aktiv zu sein. Bei tiefen Temperaturen wird ihre Beweglichkeit gehemmt bis hin zur Kältestarre. Eine klare Temperaturschwelle, unter der Zecken nicht mehr aktiv sind, lässt sich jedoch heutzutage nicht mehr benennen. Manchmal sind noch unter 10°C einige Zecken aktiv. Dauerfrost allerdings bringt ihre Aktivität sehr schnell zum Erliegen.

Ihr Winterlager befindet sich unter dem Laub, wo sie durch die Vielzahl an schützenden Schichten sehr behütet sind, weiterhin werden sie durch die enthaltene Feuchte vor der Austrocknung und vor extremem Frost bewahrt.

Erkrankungen

Für unsere Hunde sind Zecken als Überträger folgender Krankheiten wichtig zu erwähnen:

  • Borreliose
  • Anaplasmose
  • Ehrlichiose
  • Babesiose (auch als Hundemalaria bezeichnet)
  • Hepatozoonose
  • FSME

Krankheiten, die früher eher aus den Mittelmeerländern bekannt ist , aber vor allem durch die Klimaerwärmung und Tourismus nun auch hierzulande Einzug halten.

Borreliose

Am bekanntesten ist wohl die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die Organe, das Nervensystem, aber vor allem den Bewegungsapparat befallen können. Je nach Bundesland können mehr als 30% Prozent der Zecken Träger von Borrelien sein. Der Überträger ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).

Die Übertragungszeit: hier sind verschiedene Daten zu finden und man spricht von 12 – 24Std nach dem Festsaugen. 

Oftmals verläuft die Borreliose eher symptomlos, kann aber zu Appetitverlust, Mattigkeit und auch Fieber führen. Im weiteren Verlauf kommen Bewegungsstörungen mit Entzündungen der Gelenke und Nerven dazu sowie Schädigung der inneren Organe.

Anaplasmose

Eine bakterielle Erkrankung mit fieberhaften Schüben, die hierzulande auf dem Vormarsch ist. Die weissen Blutkörperchen werden geschädigt und das Immunsystem angegriffen, das Allgemeinbefinden verschlechtert sich. Stress und weitere Infektionen, die das Immunsystem belasten, lassen den Erreger wieder aktiv werden.

Auch hier ist der Hauptüberträger der Gemeine Holzbock mit einer Übertragungszeit innerhalb von 24 Stunden nach dem Festsaugen. Die ersten Anzeichen können nach ca. 5 Tagen erkennbar sein. Plötzlich einsetzendes Fieber mit Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Lahmheiten, Entzündung der Gelenke und Bewegungsschmerzen können darauf hinweisen. Auch die inneren Organe wie Leber, Milz und Nieren sowie die Augen können betroffen werden.

Ehrlichiose (Rickettsiose)

Verwandt mit dem bakteriellen Erreger der Anaplasmose, werden beide heute jedoch als eigenständige Erkrankungen genannt. Auch hier werden die weissen Blutkörperchen, genauer gesagt die Monozyten und Lymphozyten befallen, die das Immunsystem des Tieres beeinträchtigen.

Die Übertragung erfolgt über die braune Hundezecke, innerhalb von ca. 36 Stunden. Erste klinische Symptome tauchen nach etwas 7 Tagen auf und zeigen sich anhand von Mattigkeit und Lustlosigkeit, Futterverweigerung, Fieber, Erbrechen und Gewichtsverlust. Blutungen in Haut und Schleimhäute sowie Nasenbluten können auftreten. Weiterhin sind Schwellungen der Lymphknoten zu erkennen, Veränderungen an der Milz und ein deutliches Blutbild. Die Erkrankung kann sich zu einem chronischen Zustand entwickeln, weiterhin mit Mattigkeit, Schwäche und Abmagerung. 

Babesiose

Eine gefährliche Erkrankung, die auch unter ‚Hundemalaria‘ bekannt ist und bei der die roten Blutkörperchen zerstört werden. Der Erreger der Babesiose wird durch Zecken, wie die Auwaldzecke aber auch die braune Hundezecke übertragen. Es handelt sich hier auch nicht mehr nur um eine Mittelmeer-Erkrankung, sie kommt u.a. auch in Österreich, Schweiz, Ungarn und auch Deutschland vor. Die ersten Symptome können bereits schon nach einer Woche mit hohem Fieber auftreten. Danach macht sich starker Durst bemerkbar, Appetitlosigkeit, Mattigkeit und Gewichtsverlust. Der Urin verfärbt sich dunkelrot bis braun, was auf eine Zersetzung der roten Blutkörperchen hinweist. Blutarmut und Nierenversagen sind die Folge, in Haut und Schleimhäute sind Blutungen zu erkennen sowie Entzündungen, auch entzündliche Veränderungen der Augen und weiter mit der Schädigung des Zentralnervensystems mit Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle. Die Erkrankung verläuft tödlich, wenn nicht rechtszeitig behandelt wird.

Hepatozoonose

Eine Infektionserkrankung, die oftmals symptomlos verläuft und besonders Hunde mit einem schwachen Immunsystem befallen kann oder gemeinsam mit den Erregern der Babesiose und Ehrlichiose. Die Übertragung erfolgt durch das Zerbeißen oder Verschlucken der Braunen Hundezecke und gelangt so über den Verdauungstrakt in den Blutkreislauf, um als Erreger weiterhin Milz, Leber, Knochenmark, Niere und Lymphknoten zu befallen und die weißen Blutkörperchen angreift. Betroffen sind hauptsächlich Hunden aus dem Süden.

Die ersten Symptome sind nach ca. 2 Wochen erkennbar und zeigen sich u.a. durch einen steifen, staksigen Gang, die durch Entzündungen und Schmerzen in der Muskulatur hervorgerufen wird, Muskelatrophie. Fieber, Appetitlosigkeit, Blutarmut, blutige Durchfälle und geschwollene Lymphknoten.  

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Ein Virus, der nicht nur Menschen sondern auch die Hunde befallen kann. In Deutschland kommt sie hauptsächlich in der Südhälfte des Landes vor. Hier spricht man auch von Risiko- und Hochrisikogebieten. In Süd- oder Westeuropa kommt es kaum oder garnicht vor, hingegen der Osten stark befallen ist.

Die Übertragung erfolgt durch den Holzbock und unmittelbar nach dem Festsaugen. Die Symptome sind allerdings deutlich schwächer bis kaum sichtbar im Gegensatz zum Menschen und wurden bisher nur bei großen Hunderassen beschrieben. Hier kommt es primär zu Fieber, neurologischen Störungen in Form von Bewegungsstörungen, epileptische Anfälle und Verhaltensstörungen wie Übererregbarkeit und Aggression. Charakteristisch sind eine Überempfindlichkeit des Kopf- und Nackenbereichs und eine erhöhte Schmerzhaftigkeit. Auch Ausfälle der Gehirnnerven sind bekannt mit einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur und Muskeln des Auges.

Fazit: Einige der erwähnten Krankheiten können sich zu chronischen Erkrankungen entwickeln und das Immun- und Nervensystem des Hundes dauerhaft schädigen. Die medikamentösen Behandlungen, die darauf folgen, sind oftmals langwierig, teilweise auch lebenslang und meist mit starken Nebenwirkungen verbunden.

Vorbeugung ist die beste Medizin.

Es gibt kaum so viele Präparate auf dem Markt wie zur Zeckenabwehr. Vorweg sei gesagt, dass die verschiedenen Mittel nicht bei jedem Hund gleichermaßen wirken. Ob Zeckenhalsbänder oder Spot ons mit natürlichen oder chemischen (Nervengiften) Wirkstoffen, Tablette oder Kapseln, Futterergänzungsmittel oder andere natürliche Anwendungen. Jeder muss für sich, aber vor allem für seinen Hund das Passende finden, auch so, dass seine Gesundheit dabei nicht zusätzlich gefährdet wird. Sonst ist man vielleicht die Zecke los, aber hat andere Erkrankungen gefördert. Hier sind folgende genannt: verschiedene Arten von Hautreaktionen mit Juckreiz, Neurologische Störungen und Magen-Darm-Probleme.

Bei Welpen sei erwähnt, dass man bei ihnen Präparate mit den Wirkstoffen Permethrin und Imidacloprid sehr vorsichtig sein sollte, da diese bei den jungen Tieren zu starken gesundheitlichen Beschwerden führen können.

Die beste Maßnahme bleibt das Rechtzeitiges Entfernen hilft, ist jedoch kein vollständiger Schutz.

Die beste Maßnahme bleibt das Absuchen des Haustieres nach jedem Freigang, da sich die Zecken häufig noch recht lange auf dem Fell aufhalten. Übrigens genießen die Hunde, aber auch die Katzen diese Zuwendung! Hat sich eine Zecke festgebissen, sollte man sie so schnell wie möglich mit entsprechenden Werkzeugen wie ein Zeckenentferner, Zeckenhaken oder Pinzette entfernen. Dazu setzt man das Werkzeug möglichst tief unten am Kopf an und zieht langsam und gefühlvoll. Die Stelle sollte mit einem Wunddesinfektionsmittel abgetupft werden. Ich muss nicht erwähnen, dass Maßnahmen wie Nagellack, Öl oder gar Terpentin kontraproduktiv sind, da die Zecke so den Infektionsträger in ihrer Verzweiflung ausbrechen kann. 

Fazit: Generell gilt hier, je eher die Zecke gefunden wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.