Hundeverhalten: „Körpersprache und Kommunikation“

 

Das Thema des Hundeverhaltens ist ein extrem breit gefächertes und vielschichtiges Feld, worüber zudem sehr viele verschiedene Meinungen kursieren. Man kann unzählige Bücher damit füllen. An dieser Stelle möchten wir die zentral wichtigen Verhaltensweisen beschreiben und so nicht nur „neuen“ sondern vielleicht auch erfahrenen Hundebesitzern helfen, Hundeverhalten besser nachvollziehen zu können. Dabei geht es zum einen darum, die Kommunikation von Hunden untereinander besser verstehen und Alltagssituationen wie Hund-Hund-Begegnungen besser einschätzen zu können. Zum anderen aber vor allem auch die Kommunikation mit dem eigenen Hund effektiver zu gestalten. Denn nicht selten besteht das Problem, dass menschliche Verhaltensweisen auf unsere Haushunde übertragen werden, was schlussendlich zu einer schwerwiegenden Fehlkommunikation zwischen Mensch und Tier führen kann. Konzentrieren möchten wir uns deshalb vor allem auf praktische Tipps für den Alltag. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann es bei dieser Thematik nicht geben.

 

Einführung

Das Hundeverhalten ist eins zu eins verknüpft mit seiner „Sprache“. „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Diese Redewendung gilt gleichermaßen für Zwei- und Vierbeiner. Die Ausdruckweise von Hunden ist trotz ihrer Domestikation nach wie vor sehr ursprünglich. Dabei handelt es sich vor allem um Körpersprache, manchmal unterstützt durch Lautgebung. Es ist daher sehr hilfreich, wenn man mit dem Hund in seiner „Sprache“ spricht, also mehr mit Körperhaltung und Handzeichen arbeitet. Ihr Vierbeiner wird’s Ihnen danken!

Das Hundeverhalten ist geprägt von den kleinsten Kommunikationssignalen, die häufig sehr schnell und kurzweilig sind, sodass sie für einen (ungeübten) Menschen häufig gar nicht wahrgenommen werden. Wir hoffen, dass sie nach dem Lesen dieser Ausführungen ein paar mehr dieser feinen Signale „erspähen“ können und werden.

 

Hunde haben als primäres Ziel ihrer Körpersprache immer die Konfliktvermeidung. Ein Kampf kostet unnötig Kraft und in freier Wildbahn sind die Ressourcen oft knapp. Körperhaltung, Stellung von Rute und Ohren und Gesichtsmimik: die Haltung/Bewegung eines jeden Körperteils sendet Signale aus, die von Dominanz- und Drohgebärden über Unterwürfigkeit bis hin zu Friedfertigkeit alles vermitteln. Dabei ist weniger oft mehr. Ein ranghoher Wolf (oder Hund) kann ein rangniederes Tier oft schon nur mit einem ruhigen, aber sehr gezielten Blick in die Schranken weisen. Auch für uns heißt das in Bezug auf die Erziehung: Immer Ruhe bewahren und diese ausstrahlen, auch wenn das in manchen Situationen schwer fällt.

Die Körperhaltung und Rutenstellung sind für einen Hund schon aus der Ferne erkennbar, die Mimik erst aus der Nähe. Die Art und Richtung der Kopfhaltung sendet wichtige Signale. Die Mimik eines Hundes wird wie beim Menschen auch durch die Augen, Augenumgebung (Augenbrauen) und Schnauze ausgedrückt. Hinzu kommen beim Hund die verschiedenen aussagekräftigen Stellungen der Ohren.

 

Körperhaltung

Ein Großteil der Kommunikation von Hunden erfolgt über ihre Körperhaltung bzw. darin ihre Körpergröße zu variieren. Ein Hund, der selbstsicher, dominant, imponierend oder provozierend auftreten möchte, baut sich auf und versucht sich möglichst groß erscheinen zu lassen. In der Erziehung eines Hundes ist Selbstsicherheit ein wichtiger Bestandteil, um Respekt und, infolge dessen, Vertrauen zu erwecken. Deshalb ist es auch für uns Halter wichtig, uns aufrecht und in gerader Körperhaltung zu bewegen, der Blick in die Ferne und nicht auf den Boden gerichtet.

Ein unterwürfiger oder gar ängstlicher Hund dagegen macht sich möglichst klein, duckt sich oder legt sich gar auf den Boden.

 

Gewichtsverteilung

Eine wichtige Information über den Gemütszustand unseres Hundes liefert auch seine Gewichtsverteilung. Dabei kann man sich merken: Je selbstsicherer ein Hund ist, desto mehr Gewicht wird er auf die Vorderläufe verlagern. Ein ängstlicher, unsicherer Hund hat sein Gewicht hauptsächlich auf den Hinterläufen, weicht also zurück.

 

Bewegung – Geschwindigkeit und Richtung

Schon allein die Art wie und in welche Richtung  ein Hund sich bewegt, enthält wichtige Informationen. Während eine langsame schnüffelnde Fortbewegung per se erstmal uninteressant ist, erweckt hohe Geschwindigkeit die Aufmerksamkeit anderer Hunde. Dies ist ein Grund warum Hunde Radfahrern und Joggern hinterher laufen.

Hohe Geschwindigkeit kann auch Ausdruck von Drohen sein. Das ist der Grund weshalb wir es häufig sehen, dass fremde Hunde bei Begegnungen, ihr Tempo stark verlangsamen oder sich sogar hinsetzen oder ablegen. All dies signalisiert dem anderen „von mir geht keine Gefahr aus“. Es ist wichtig, die Hunde diese Verhaltensweisen ausführen zu lassen und sie nicht mit Gewalt weiter zu zerren. Denn das wiederum würde dem anderen Hund falsche Signale oder Absichten vermitteln.

 

Positionierung zum Gegenüber – Tabuzonen

Kommt ein Hund einem fremden Artgenossen in einer Begegnungssituation sehr nahe, gilt dies als Provokation oder gar Drohung. Hunde haben wie Menschen natürlich Tabuzonen, die nicht unterschritten werden sollten. Bei Menschen beträgt diese Zone ca. eine Armlänge. Unterschreitet ein Fremder diesen Abstand, empfinden wir das als unangenehm. Das ist bei unseren Haushunden nicht anders. Nur dass ihre Tabuzone mehrere Meter beträgt. Hunde zeigen einander Respekt, indem sie bei solchen Fremdbegegnungen in einem Bogen (sog. Respektbogen) aneinander vorbeilaufen. Dies ist auf dem Feld oder im Wald problemlos möglich. Die Hunde können sich und potentiellen Konfliktsituationen im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Weg gehen“. Man sollte daher seinem Hund immer diese Möglichkeit geben. Nicht so einfach ist das natürlich in der Stadt. Bürgersteige sind in der Regel zu schmal, um den Hunden diesen Respektbogen zu ermöglichen. Zumindest kann man aber sich selbst als Körper zwischen den eigenen und den fremden Hund bringen, wenn möglich einen kleinen Bogen gehen oder gar optimalerweise die Straßenseite wechseln. Auch dies wird ihr Vierbeiner wahrnehmen und ihnen danken. Denn eines sollte man Wissen: Jede Hundebegegnung bedeutet Stress für das Tier.

Mit diesem Wissen sollten auch wir als Halter versuchen, die Tabuzonen unserer Hunde möglichst selten zu unterschreiten. Bei Welpen sollte man von Anfang an mit gutem Beispiel voran gehen. Das heißt, dass man die Tabuzone des Welpen selbst nicht unnötig unterschreitet und ihm auch zeigt, wie man sich „richtig“ verhält. Konkret heißt das für den Halter: Erst abwarten und die Signale des fremden Hundes deuten und nicht einfach so auf einen (fremden) Hund zulaufen und im schlechtesten Fall sofort berühren. Die meisten von uns haben es sicher schon erlebt, dass fremde Leute auf der Straße einfach den eigenen Hund ungefragt streicheln. Dies sollte aus Respekt dem Hund gegenüber vermieden werden. Zu diesem Thema gehört auch, dass man einen Hund, der sich auf „seinen Platz“ zurückgezogen hat, ruhen lassen sollte, bis er von alleine wieder kommt.

 

Positionierung zum Gegenüber – Hin- und Abwenden

Ein Abwenden vom Gegenüber ist gleichzusetzen mit friedlichen Absichten. Hinwenden gilt als Geste von Selbstsicherheit und/oder Dominanz. Dies ist wichtig zu wissen z.B. in Bezug auf das Zusammentreffen mit einem fremden, eventuell schwierigen Hund. Nähern Sie sich in seitlicher Position oder gar rückwärts, so drücken Sie allein durch dieses Verhalten Ihre Friedfertigkeit aus.

 

Körperspannung

Auch die Körperspannung gibt uns große Auskünfte über den Gemütszustand des Hundes. Weiche, ruhige Bewegungen drücken Gelassenheit oder auch Spielaufforderung aus. Nähert ein Hund sich jedoch in steifem Gang, das heißt mit erhöhter Körperspannung, ist dies eine Provokationsgeste. Allzu häufig wird in dem Zusammenhang das Ausfechten von Rangordnungen mit dem reinen Spiel verwechselt (Stichwort „die spielen ja so schön“). Die Körperspannung gibt gute Hinweise zum Einschätzen der Ernsthaftigkeit einer solchen Situation. Man muss jedoch sagen, dass das sogenannte „Spielen“ sehr häufig nicht das solche ist, sondern ernstere Hintergründe hat.

 

Haltung der Rute

Ein zentrales Mittel zur Kommunikation stellt die Rute dar. Je nach Stellung drückt sie Selbstsicherheit oder Imponiergehabe (nach oben gerichtet), Gelassenheit (ruhiges, langsames Schwanzwedeln), Aufgeregtheit (schnelles Schwanzwedel), Drohen (in einer Linie mit den Rücken), Unterwürfigkeit (zwischen den Hinterläufen, Spitze nach oben gerichtet) oder Angst (zwischen den Hinterläufen, Spitze berührt den Unterbauch). Es gibt etliche Zwischenstellungen und Variationsmöglichkeiten.

Aufgrund der extremen Wichtigkeit für die Signalgebung, ist das Kupieren von Ruten ein großer Fehler (medizinische Indikationen natürlich ausgenommen!) und versetzt die betroffenen Tiere in ein absolutes Kommunikationsdefizit. Diese Tiere sind bedingt durch ihr „Handicap“ häufiger in Konfliktsituationen verstrickt, da ihr Gegenüber aufgrund der fehlenden Rutensignale, diesen Hund nicht einschätzen kann bzw. auf seine (Kommunikations-)Aktionen unter Umständen keine für den Hund ersichtliche Reaktionen folgen. Ähnlich bedenkliche Folgen sieht man bei Hunderassen, die durch extreme Züchtungen ein so stark verändertes Erscheinungsbild haben (Körpergröße, Haarlänge, Ohrenhaltung etc), dass sie von Artgenossen oft schlichtweg nicht mehr verstanden werden.

 

Richtung der Kopfhaltung

Ein abgewandter Kopf drückt wie auch der abgewandte Körper friedliche Absichten aus, kann aber auch ein Zeichen von Unsicherheit oder Angst sein. Selbst ein geringfügiges, oft nur für einen Bruchteil einer Sekunde gezeigtes Abwenden des Kopfes, ist eine wichtige Information, wenn sich zwei Hunde begegnen. Diese Momente wahrzunehmen, ist nicht immer einfach für den Menschen, aber mit dem Bewusstsein dafür und ein bisschen Übung doch gut ersichtlich.

Direktes Anschauen hingegen vermittelt dem Gegenüber Selbstsicherheit.

 

Rückenhaare (Bürste)

Als weiteres Kommunikationsmittel dienen die aufgestellten Rückenhaare, die sogenannte Bürste. Dabei gibt es verschiedene Formen, je nach Gemütszustand des Tieres. Ein selbstsicherer Hund macht nur im Schulterbereich eine Bürste, wobei ein Hund mit dem Aufstellen der Bürste über die gesamte Rückenlänge sein Unwohlsein demonstriert, fast als würde er versuchen so doch noch ein bisschen imponierend auszusehen.

 

Lecken

Das Lecken der Mundwinkel eines anderen Hundes zeugt von Unterwerfung und Respekt. Es ist auch aber auch Bestandteil des Begrüßungsrituals zur freundlichen Kontaktaufnahme.

Wenn man darauf achtet sieht man zudem sehr häufig, dass Hunde sich selbst einmal kurz über die Schnauze lecken. Dies gilt als deutliches Beschwichtigungssignal und wird von einigen Hunden sehr häufig - sowohl Hunden als auch Menschen gegenüber – gezeigt. Aber auch dies ist wieder eine der Gesten, die sehr schnell erfolgen und nicht immer einfach sind wahrzunehmen.

 

Aufreiten

Häufig beobachtet man Hunde die einander aufreiten (d.h. von hinten besteigen), auch gleichen Geschlechts. Dies hat in der Regel nichts mit dem Begattungsakt zu tun. Der aufreitende Hund demonstriert dem unteren Hund durch dieses Verhalten seine Überlegenheit, es handelt sich hierbei also um eine Dominanzgeste. Die gleiche Intention hat es, wenn ein Hund seinem Besitzer aufreitet, weshalb dieses Verhalten unterbunden werden sollte.

 

Anzeigen (Vorstehen)

Eine Verhaltensweise die vor allem die sogenannten Vorstehhunde – wie unsere Setter – zeigen ist das Anzeigen von Beute, weshalb diese Hunde auch zur Jagd gezüchtet und genutzt werden. Der gesamte Hund geht in eine Fixierstellung zielgerichtet auf die Beute. Der komplett unter Spannung stehende Körper wird abgesenkt. Der Kopf zeigt gebannt in Richtung der Beute und bildet zusammen mit Rücken und Rute eine waagerechte Linie. Die Augen fixieren starr das Ziel. Auch die Nase zeigt deutliche Aktivität. Typischerweise wird ein Vorderlauf angewinkelt angehoben. Alle weiteren (Annäherungs-)Bewegungen laufen stark verlangsamt ab. Diese Verhaltensweisen sind den Tieren angeboren und somit schon im Welpenalter zu beobachten.

Das alleinige Anheben einer Vorderpfote gilt allerdings auch als Beschwichtigungssignal (siehe weiter unten Beschwichtigungssignale).

 

Gesichtsmimik

Die Mimik spielt eine zentrale Rolle in der Kommunikation unter Hunden und hat einen enorm wichtigen Informationsgehalt. Aufgrund dessen, dass diese Signale häufig in sehr schneller Abfolge und nur für einen Bruchteil einer Sekunde gezeigt werden, sind diese für uns nicht immer so leicht ersichtlich. Hunde hingegen verfügen über eine extrem schnelle Wahrnehmung. Die Bildabfolge im Fernsehen beispielsweise wäre für Hunde zu langsam, sie sähen jedes Bild einzeln, vergleichbar mit einem langsam durchgeführten Daumenkinos. Zudem verfügen Hunde über ein relativ breites Gesichtsfeld. Sie können auch schnelle Bewegungen von uns (Handzeichen) wahrnehmen, wenn sie uns gerade nicht angucken. Probieren sie es ruhig mal aus.

Die wohl größte Rolle in der mimischen Ausdrucksweise nimmt der Blick ein. Hunde sprechen mit ihren Augen. Eine Rolle spielt dabei sowohl der direkte Blickkontakt als auch die Dauer des Blickes. Das feste Anstarren gilt als Provokation, verlängerter Augenkontakt für mehr als 2 Sekunden kann Dominanz oder selbstsichere Drohung bedeuten. Ein abgewendeter Blick drückt Unterordnung, Friedfertigkeit, Unsicherheit oder gar Angst aus. Wenn man genau darauf achtet, sieht man bei Hundebegegnungen häufig auch ein Blinzeln mit den Augen, ein weiteres Beschwichtigungssignal. Ist der Augenkontakt nur kurz, drückt dieser in der Regel freundliches Interesse aus. Die Ausdrucksweise der Augenumgebung (Augenbrauen) ist vergleichbar mit der des Menschen und kann auch gleichermaßen interpretiert werden.

An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in der Hundewelt ein (konsequentes) Anschauen soviel bedeutet wie „Hey, ich möchte was von dir...!“. In unserem Alltag setzen Hunde dieses Verhalten bewusst ein, wenn sie z.B. einen Ball oder ein Stöckchen von Herrchen oder Frauchen geworfen bekommen wollen. Im Umkehrschluss heißt das aber für uns Menschen in der Hundeerziehung, dass man es unterlassen sollte, den Hund die ganze Zeit immer wieder anzuschauen, ob er z.B. auch noch brav „Sitz“ oder „Platz“ macht. Der Hund denkt dann permanent, man will noch etwas anderes von ihm. Dies trägt zur Verwirrung des Tieres bei und hätte in diesem Fall z.B. das Aufstehen des Tieres zur Folge, also das Gegenteil von dem was man eigentlich erreichen wollte.

Die Mimik wird in großen Maßen von den Stellung der Ohren bestimmt. Nach hinten angelegt bedeutet dies Unterwerfung, aufgerichtete Ohren sprechen für Selbstsicherheit (mit positiven oder negativen Absichten gleichermaßen). Es gibt wie auch bei der Rutenstellung sehr viele Zwischenformen. Sollte ein Hund einem knurrend/bellend drohen, können einem die Ohren ein Indiz dafür geben, ob das Tier unsicher droht (Ohren nach außen hinten gerichtet) oder dies selbstsicher tut (Ohren nach vorne gerichtet). Aber Vorsicht, in beiden Situationen kann ein ernster Angriff erfolgen.

Hunde mit Hängeohren zeigen im Prinzip das gleiche Ohrenspiel, nur muss man da etwas genauer hinschauen.

Auch die Schnauze eines Hundes ist an seiner Gesichtsmimik beteiligt. Als wichtiges nicht zu ignorierendes Signal der Drohung gilt das Hochziehen der Oberlippe. Dabei werden die Eckzähne deutlich sichtbar. In diesem Fall sollte man sich dem Tier nicht mehr weiter nähern und sich besser beschwichtigend abwenden. Als eines der letzten Signale um einer Beißerei aus dem Weg zu gehen gilt die Drohgebärde des Luftschnappens, bei dem Rachen und Zähne deutlich gezeigt werden. Dies gibt dem Gegenüber eine letzte Option sich unbeschadet zurückzuziehen. Wird auch dies ignoriert, kommt es zum Angriff.

Man sieht manchmal wie ältere Hunde Jungtieren „über die Schnauze beißen“. Dies dient der Disziplinierung der Kleinen. Vorsicht ist geboten, sollte man das selber bei seinem Welpen machen. Es kann passieren, dass der Welpe dann die Hand an sich in Zukunft als etwas Negatives ansieht und zu schnappen beginnt. Abzugrenzen davon ist das Verhalten von Hunden (Welpen eingeschlossen!), die in Leinen, Kleidungsstücke oder auch in menschliche Körperteile beißen. Sie tun dies nicht aus dem Spiel heraus wie mansche Leute annehmen, sondern maßregeln ihren Menschen mit diesem „Beißverhalten“ (auch Anspringen hat häufig die gleiche Funktion!). Deshalb sollte dieses Verhalten von Anfang an unterbunden werden.

 

Duftsignale

Gerüche spielen in der Hundewelt eine weitaus größere Rolle als in der Menschenwelt. Man sagt, wenn das Riechempfinden eines Menschen der Größe einer Briefmarke entspräche, dann wäre das der Hunde vergleichbar mit einem ausgebreiteten Taschentuch, also um ein Vielfaches größer. Unsere Jagdhunde haben nicht zufällig eine so lange Nase, sie brauchen diese für ihre Arbeit.

Duftsignale, die über Kot und Urin abgegeben werden, enthalten wichtige Informationen z.B. über das Geschlecht und den Zyklusstand. Rüden heben deshalb so häufig ihr Bein, weil sie ihr Territorium markieren wollen. Hündinnen setzen vermehrt Urin ab, wenn sie läufig sind, um der „Außenwelt“ ihre Paarungsbereitschaft zu signalisieren.

Bei beiden Geschlechtern beobachtet man häufig, den Urinabsatz genau auf die Stelle wo sich zuvor ein anderer Hund gelöst hat. Dieses noch einmal „oben drauf Pinkeln“ gilt als Dominanzgeste.

 

Lautsprache

Die Lautsprache ergänzt die vorhandenen Verhaltensweisen und verleiht diesen häufig mehr Ausdruck. Es gibt viele verschiedene Arten zu bellen, die Vieles ausdrücken können von Ungeduld, über Drohen oder Angst. Hunde können vor Schmerz jaulen, winseln oder gar schreien. Sie schnauben oder seufzen aus der Anspannung oder Ungeduld heraus oder geben verschiedene Töne des Wohlbefindens von sich. Um besser zu verstehen, in welcher Gefühlslage der Hund sich gerade befindet, sollte man die Körpersprache des Tieres in seiner Betrachtung miteinbeziehen.

Hunde sind sehr schlaue Tiere und wissen aus der Erfahrung heraus genau wie sie uns Halter (emotional) in unserem Verhalten durch verschiedene Lautäußerungen beeinflussen können und setzen diese Lautsprache dann auch gezielt ein. Wir sollten uns dessen stets bewusst sein.

 

Beschwichtigungssignale (Calming Signals)

Ein großes Feld im Verhalten der Hunde sind die Beschwichtigungssignale. Dieser Teilbereich des Hundeverhaltens allein ist Thema vieler Bücher. Beschwichtigungssignale sind Verhaltensweisen, die dem Gegenüber ausdrücken „von mir geht keine Gefahr aus“. Wie schon in den obigen Ausführungen erwähnt sind diese Signale Gesten der Friedfertigkeit und sehr vielfältiger Natur. Beispiele sind das Blinzeln, Abwenden des Körpers und/oder des Blickes, das Lecken der Lippen, das Anheben eines Vorderlaufes oder die verlangsamten Bewegungen (inklusive Hinsetzen oder Ablegen) und das uninteressiert wirkende Schnüffeln am Wegesrand bei Fremdhundbegegnungen. Auch als Mensch kann man diese Beschwichtigungssignale erfolgreich einsetzen, damit Ihr Hund Sie besser verstehen wird. Stellen Sie sich z.B. beim Rückruf Ihres Hundes seitlich und gehen sie nicht frontal auf ihn zu um Ihn anzuleinen. Das würde ihn eher von Ihnen weg treiben als weiter rankommen lassen. Auch ein kurzes Blinzeln oder über den Mund lecken sagt Ihrem Hund in seiner Sprache, dass Sie nur friedlich Absichten haben.

Turid Rugaas beschreibt sehr anschaulich diese von ihr sogenannten Calming Signals und die Wichtigkeit dieser Verhaltensweisen sowohl in Bezug auf das tägliche Zusammenleben als auch das Training mit Ihrem Hund.

 

Um mit unseren Vierbeinern besser „reden“ zu können, sollten wir weniger menschliche Wörter und mehr den Hunden verständliche körperliche Gesten einsetzen. Denn die Sprache der Hunde ist die Körpersprache.